Donnerstag, 9. August 2018

Tschechien rules

Heute um 8:30 bei angenehmen 24 Grad gestartet. Mein Weg führte mich gegen Norden durch wunderschöne, weitläufige Wälder und Landschaften. Tschechien ist zum Radfahren ein Traum! Es ist einfach nicht so irre zersiedelt wie bei uns. Zwischen den Dörfern ist Gegend und in jedem Dorf gibt es die Möglichkeit schnell was zu kaufen, um die Batterien aufzuladen.

Ich fuhr um die 90 Km bis ich wieder in eine richtige Stadt kam. Havlickuv Brod ist sehr schön. Die ganze Stadt ist mit Kopfsteinpflaster ausgelegt, was natürlich für mich und meinen Renner eine kleine Herausforderung war. Beim Durchfahren hörte ich Kindergejohle aus einem Freibad. Da kommt man gedanklich ins Hadern, hat man ja was anderes vor, als im kühlen Nass zu plantschen.

Die Temperaturen stiegen und der Verkehr, umso näher ich meinem Ziel Pardubitz kam, wurde teilweise auch mehr und stressiger. 20 Km vor der heutigen Zieleinfahrt wurde ich aber noch mit der Überquerung des Naturpark Eisengebirge belohnt. Eine kurze Kraxlerei mit anschließendem Rollen und Rückenwind!

In Pardubitz fand ich gleich ein Zimmer. Mitten im Zentrum! Und nicht weit davon entfernt stehen die Überreste der alten 500 m Schürmann-Radrennbahn von 1931. Überreste ist gut! Zu finden sind nur noch die Eingangspforte und an die 20 m flacher Beton, welchen ich immerhin noch befuhr!

Den morgigen Tourtag möchte ich etwas relaxter angehen. Nach Polen erwarten mich einige Anstiege und regnerisch könnte es auch werden. 100 Km sollten reichen bevor es nach Wroclaw geht, wo mich der dortige Club schon erwartet!

Ah, und die Strecke morgen von CZ nach PL widme ich meinen Eltern.


Mittwoch, 8. August 2018

Die Hitze

Das heutige Ziel, Nova Bystrice in Tschechien, habe ich nach 150 Km erreicht. Etwas spät, aber die Hitze war mörderisch! Morgen soll es nochmal Ärger werden mit den Temperaturen und ich hab nochmal eine ähnliche Strecke bis Pardubitz vor mir.

Der Start heute vom Linzer Hauptplatz war klasse! Liebe Freunde, Stadträtin Schobesberger und Gemeinderätin Grünn verabschiedeten mich. Die ersten Kilometer wurde ich dann noch von Freunden begleitet. Das alles ließ mich dann doch etwas einfacher in die Tour gleiten!

Insgesamt, neber der Hitze, standen auch einige Höhenmeter am Programm. Ich musste viel drinken und teilweise wurde es schon ein bisschen knapp. Aber es ging sich alles aus.

Am Weg traf ich andere Radlerlnnen, mit denen ich ein wenig plaudern konnte. Immer interessant, wie verschieden jeder seine Tour anlegt.

Bevor ich nach Nova Bystrice kam, gönnte ich mir in Litschau ein Schremser Bier und wollte mich über Übernachtungsmöglichkeiten auf der anderen Seite der Grenze erkundigen. Aber in Österreich weiß man anscheinend nicht allzu viel über seine nächsten Nachbarn. So bin ich auf gut Glück über die Grenze und verbrachte dann eine Stunde damit ein freies Zimmer zu finden. Eh klar, es ist Hochsaison und viele genießen das günstige Bier. Zuguterletzt wurde ich dann doch fündig. Eine gute Unterkunft mit einem einzigen Snack im Angebot zum Abendessen, einer köstlichen Maurerforelle! Mir gefällt das!

Morgen geht’s weiter! Um 8 Uhr wird gestartet. Wobei ich diese Hitzeschlacht meiner Evelyn und meinem Sohn Oscar widme.


Dienstag, 7. August 2018

Start!

Es ist eine spannende Angelegenheit bis zum Schluss! Die letzten Tage, Stunden bekomme ich stets neue Infos zu meinen Tour-Stationen. Jede Radrennbahn geht mit meiner Anfrage anders um. Manche schreiben einen Satz und sagen, komm du mal einfach vorbei. Andere laden einen ein, doch einfach länger zu bleiben, was ich natürlich auch immer gerne annehme, wenn es denn der Plan zulässt. Ich treffe auch rausgeworfene Funktionäre, renommierte Architekten und engagierte Schriftsteller. Alles im Kontext des Bahnfahrens. Gleich am zweiten Tag werde ich Pardubice/CZ ansteuern, um Fragmente einer Schürmann-Bahn aus 1931 zu suchen. Also die Tour hat durchaus auch eine archäologische Note. Morgen Mittwoch um 8 Uhr geht‘s los! Zum Start gibt es noch freie Plätze am Linzer Hauptplatz! Ah, und ich versuche natürlich täglich eine Kleinigkeit zu posten und werde jeden Tourtag jemanden widmen. Den Anfang, die Eröffnungsstrecke widme ich meinem künstlerischen Weggefährten und Freund Huckey. Bis morgen Abend, bereits aus CZ.


Sonntag, 5. August 2018

Nur mehr 3 Tage...

Heute noch ein wenig strampeln. Linz-Wallsee und retour. Gemütliche 100 Km, um die Gedanken etwas schweifen zu lassen. Außerdem ein Test, wie dieses Blogger-App funktioniert und zusätzlich ein weiterer Test punkto Navigation. Läuft alles ganz gut! Zuhause dann noch die letzten Planungen und E-Mails erledigen. Morgen und übermorgen jeweils ein Miniride, damit der Kreislauf in Schwung kommt. 


Mittwoch, 1. August 2018

Ein Traum rückt näher


Am 8. August ist es soweit. Ich mach mich auf den Weg zu meiner Tour, welche mich über 5000 Km zu vielen Radbahnen in Europa bringen soll. Hier ein Bericht in der OÖ Nachrichten und einer in Tips.

Während der Planung in den letzten Wochen hat sich die Strecke insgesamt doch noch geändert. So musste ich Irland kappen und hänge dafür Strecken, die über die Schweiz führen, dazu. In England ist noch London mit dazugekommen, wobei sich zusätzlich auch in Liverpool was auftun könnte. Das Ende der Tour lasse ich an dieser Stelle noch etwas offen, aber eines kann ich verraten: Ein Treffen mit Geraint Thomas liegt im Bereich des Möglichen!-) So sieht der momentane Zeitplan für das erste Monat aus:
 
Mi. 08.08.2018
Linz
Hirschenschlag (A)/Nová Bystřice
Do. 9.
Hirschenschlag
Chrudim/Slatinany (CZ)
Fr. 10.
Chrudim
Nova Ruda (PL)
Sa. 11.
Nova Ruda
Wroclaw
So. 12.
Wroclaw
Görlitz/D
Mo. 13.
Görlitz
tba
Di. 14.
tba
Leipzig Radrennbahn
Mi. 15.
Leipzig Radrennbahn
Radrennbahn Andreasried
Do. 16.
Radrennbahn Andreasried
Göttingen
Fr. 17.
Göttingen
Bielefeld
Sa. 18.
Bielefeld
Münster
So. 19.
Münster
Apeldoorn
Mo. 20.
Apeldoorn
Alkmaar
Di. 21.
Alkmaar
Hoek van Holland
Mi. 22.
Hoek van Holland
Harwich
Do. 23.
Harwich
Peterborough
Fr. 24.
Peterborough
Derby
Sa. 25.
Derby
Mansfield, Forest town
So. 26.
Mansfield
York sport velodrome
Mo. 27.
York
Middlesbrough
Di. 28.
Middlesbrough
Arnside
Mi. 29.
Arnside
Formby
Do. 30.
Formby
Llandudno
Fr. 31.
Llandudno
Aberystwyth
Sa. 1.9.
Aberystwyth
Carmarthen
So. 2.
Carmarthen
Cardiff
Mo. 3.
Cardiff
Newport
Di. 4.
Newport
Bournemouth
Mi. 5.
Bournemouth
Calshot
Do. 6.
Calshot
Portsmouth
Fr. 7.
Portsmouth
Brighton
Sa. 8.
Brighton
London
Sollte jemand unter euch sein und mich auf Teilstrecken begleiten wollen, so schreibt mir einfach ein E-Mail  an johannes.staudinger@velodrom-linz.at oder eine Nachricht über facebook.com/ride53. Da lässt sich sicher was einfädeln.
Und, wenn ihr beim Tour-Start am 8. August mit von der Partie sein könnt, was mich freuen würde: Treffpunkt ist am Linzer Hauptplatz vor dem Alten Rathaus um 7 Uhr 45,  bevor es um 8 Uhr auf geht zu den unendlichen Welten des Velodrome-Universums.

Donnerstag, 12. Juli 2018

Finale! - Auf zu den Velodromen! - 900 Km von Linz nach Novo Mesto und retour

Fortsetzung von "Auf zu den Velodromen! - Teil3"


Am 19. Mai um 18 Uhr fuhr ich nach sechs Tagen und 900 schönen, teils anstrengenden Kilometern in den Beinen am Linzer Hauptplatz ein. Wie zuvor mit meiner Frau telefonisch vereinbart, trafen wir uns dort gemeinsam mit meinem Stiefsohn Oscar.


Wieder zuhause am Linzer Hauptplatz!
Der kleine Empfang war herzlich, und fragte ich mich beim Start sechs Tage zuvor, ob ich überhaupt wegfahren sollte, so war in diesem Moment ein Gefühl aufgekommen, als wäre ich nie weg gewesen. Also, wo war ich? War ich bei der Fahrt kopfmäßig mit Navigation, Wetter und Zielerreichung beschäftigt, so waren meine Gedanken oft auch bei Familie, Freunden, Vergangenheit und Vorstellungen über die Zukunft. Wie wird meine ride53-Tour mit Start am 8. August verlaufen?

Zwei Tage zuvor am 17. Mai musste ich das Hotel in Kranj leider ohne Frühstück verlassen. Obwohl ich mich am Vorabend noch einmal erkundigte, ob ich um 7 Uhr damit rechnen könne, wurde auf mein Frühstück vergessen. Im Gebäude selbst befanden sich auch nur eine Reinigungskraft, die von nichts wusste, und ich, der hungrig war. Noch dazu wo ich so sehr auf zeitliche Regelmäßigkeit beim Essen stehe! Ich half mir mit den restlichen Müsliriegeln darüber hinweg, wobei ich schon etwas länger brauchte, um halbwegs in die Gänge zu kommen. Eine frische Brise wehte mir auf meinem Weg Richtung Österreich entgegen, und ich war gespannt, wie sich wohl die Überfahrt über den Loiblpass gestalten würde. Am Vorabend im Hotel wollte ich mich im Internet noch über Steilheit und Länge des Passes informieren. Ich stieß dabei auf Informationen über die Mauthausner Außenlager während des NS-Regimes nördlich und südlich des Passes, was mir leider bis dorthin nicht wirklich bekannt war. Für mich war diese Tatsache interessant, veranstalteten wir mit unserem Verein wenige Wochen zuvor, am 6. Mai, die Tour Gino Bartali von Linz nach Mauthausen. Den Gedenkstätten am Loiblpass werde ich 2019 eine eigene Tour widmen!
Die Passstraße von der Südseite zieht sich mit langen Rampen hinauf in eine wunderschöne alpine  Landschaft. Oben angekommen, musste ich leider durch diesen äußerst unangenehmen Tunnel, wo man als Radfahrer voll der Lärmkulisse des durchrauschenden Autoverkehrs ausgeliefert ist, auf die österreichische Seite. Nach dem Grenzposten, wo ich nur kurz gefragt wurde, ob ich eh einen Pass dabei hätte, ging es dann steil, gespickt mit vielen Kehren, runter ins Kärntner Land. Vor Ferlach legte ich noch einen kurzen Zwischenstopp bei der Tscheppaschlucht  ein, um auf einer Brücke die in der Luft aufwirbelnden Gischtperlen eines kleinen Wasserfalls als willkommene Abkühlungsgelegenheit zu genießen.
Gischtperlen in der Tscheppaschlucht
In Ferlach war dann eine Pause bei einem Geschäft angesagt, um meine Speicher wieder zu füllen. Vor der Eingangstür wurde ich Zeuge, wie ein Geldeintreiber auf einen im Schatten kauernden Bettlerjungen einredete, dass er seine Betteleinnahmen in den nächsten Tagen drastisch steigern müsse. Der Junge ließ sich nur kurz auf ein Streitgespräch ein bevor er seinem Drangsalierer entschlich, wobei der Geldeintreiber die vorbeischlendernden Einkäuferinnen mit einem verschmitzten Lächeln grüßte und dabei ein paar Münzen in seiner Hand salopp kreiseln ließ.


Die Sonne wurde stärker. Ich entschied mich mein langes Gewand gegen eine kurze Hose und ein kurzes Jersey zu wechseln. Das Navigationsgerät führte mich über eine Staustufe des Ferlacher Stausees, was wunderschön war, mich aber sogleich mit meinem Renner in eine waldige, steil bergauf führende Mountainbikestrecke führte. Dort machte ich sicher auf einen Kilometer zwei Kilometer, da mir permanent das Hinterrad auf dem feuchten Boden durchrutschte. Endlich oben angekommen, rollte ich Klagenfurt wieder auf Asphalt entgegen. Von Osten und Norden waren dunkle Wolkenformationen am Vormarsch, in welche ich mich direkt reinbewegte. Kurz vor Klagenfurt, in Lambichl, wollte ich mir bei einem Radgeschäft meine Reifen aufpumpen, immerhin, seit Start in Linz oder knapp 600 Km habe ich keine Luft nachgefüllt. Leider war das Geschäft auf Mittagspause und ich musste wo anders mein Glück versuchen. Beim Wegrollen, als ich in meine Pedale reinklicken wollte, hob ich kurz den Kopf, um einen Überblick beim Einbiegen in die Verkehrsstituation zu bekommen, erspähte ich ein seltsames Ensemble mit Jörg Haider-Bildern und leuchtenden Kerzen. Es wirkte wie ein kleiner Altar. Hier dürfte der tödliche Unfall des Kärntner Politikers geschehen sein. Komisch, wirkte doch die räumliche Situation der Unfallstelle in den von den Medien kolportierten Bildern insgesamt größer, aber in Wirklichkeit war alles ganz klein. In Klagenfurt zogen dann die Wolken so finster zu, dass ich kurz darüber nachdachte bereits ein Quartier zu beziehen. Aber ich hatte noch nicht genug Tageskilometer abgespult und fuhr weiter in die Finsternis.
Über St. Veit an der Glan führte mich der Radweg direkt nach Hirt zur bekannten Brauerei. Der Radweg ist direkt durch das Betriebsgelände geführt, wobei ein Hinweisschild darauf aufmerksam macht, dass Radfahrer am Betriebsareal abzusteigen hätten. Welch Witz, sind doch bei der Brauerei ein Biershop und ein Wirtshaus angegliedert. Ich nahm diese Einladung abzusteigen an und gönnte mir eine kleine Jause. Trotz stark aufkommender Winde setzte ich meine Reise Richtung Norden fort. Luft für meine Reifen konnte ich letztendlich in der von mitteralterlichen Bauwerken strotzenden Stadt Friesach einheimsen. Brav stellte ich mich im Fahrradladen von Familie Wulz hinter den anderen Wartenden an, um mir die Pneus wieder richtig aufpumpen zu lassen. Ein junger Kerl mit schmierigen Händen nahm sich meiner an, schnappte das Rad und schob es in die dunkle Werkstatt. Er fragte mich, ob ich auf Durchreise sei und ich erzählte ihm von meiner 900 Km – Tour Linz, Novo Mesto, Linz. Leise murmelte er in sich hinein „Ein Narrischer“, zog das Ventil ab und wünschte mir noch alles Gute auf dem Weg nach Hause. Die nächsten Kilometer waren nicht besonders attraktiv, führte der Radweg entweder direkt neben oder auf stark befahrenen Straßen. In Scheifling fuhr ich aufgrund eines Hinweisschildes zum Gashof Götzl, wo ich mir ein Zimmer nahm. Ich war der einzige Gast und genoß alleine in der rustikalen Gaststube eine saure Sulz. Im Nebenzimmer saß die Alt-Wirtin und schaute fern.

200 Kilometer hatte ich noch vor mir. Am Morgen sattelte ich mein Fahrrad auf, während mir der Hausherr, selbst Radsportler, noch Tipps gab, wie ich am besten fahren könnte. Die Alternativen waren nicht allzu groß, eigentlich gab es nur eine Variante, welche ich dann auch in Angriff nahm.
Kurz vor Pöls
Das frischgrüne Murtal führte mich bis nach Pöls, von wo weg ich die sanften Stufen bis nach Hohentauern nahm.
Der Hrinkow-Renner in Hohentauern
Zuvor hatte ich ein wenig Schiss vor dieser Strecke, denn ich kannte sie von Autofahrten und bewunderte immer Radfahrer, die dort hochfuhren. Es war aber wirklich mäßig. Viel wilder war für mich die anschließende Abfahrt nach Trieben, wo ich mit 70, 80 Km/h über den holprigen Asphalt schoss. Erleichtert erreichte ich Trieben, die Sonne kam raus und ich rollte über, für mich bis dahin unbekannte Straßen nach Liezen. Ich huschte noch kurz in einen Supermarkt, um mich mit Proviant auszustatten. Danach ging es zum Phyrnpass hoch Richtung steirisch-oberösterreichische Grenze. Auch dieser Anstieg war nicht allzu arg, aber ich musste mich über zu knapp überholende Autofahrer ärgern, denen ich oft den Stinkefinger hinterherwinken und ein „Oida, spinnst!?“ nachrufen musste. Bei der Abfahrt vom Phyrnpass erwischte mich der Regen, der mich ab nun bis zum türkis glitzendernden Steyr-Stausee in Klaus begleiten sollte.
Türkis, oder?
80 Kilometer von zuhause entfernt, setzte ich eine Nachricht auf Facebook ab, dass ich um 18 Uhr am Linzer Hauptplatz eintreffen würde, um feierlich ein Bierchen zu heben.


Am 8. August starte ich zu meiner 53-tägigen Tour zu 20 Velodromen in Europa, wer mich unterstützen möchte, kann das hier tun: https://paypal.me/pools/c/811OU4EyXz oder schreibt mir ein E-mail an johannes.staudinger(at)velodrom-linz.at

Donnerstag, 28. Juni 2018

Auf zu den Velodromen! - Teil 3

Fortsetzung von "Auf zu den Velodromen! - Teil2": https://ride53.blogspot.com/2018/05/auf-zu-den-velodromen-teil-2.html

Ich bezog das Hotel Terme Krka im Zentrum von Novo Mesto. Der Preis für diese eine Nacht war relativ stolz, aber um diese Uhrzeit nach sovielen Kilometern war mir der Preis halbwegs egal. Den Renner durfte ich in einem Abstellraum unterbringen. Schade, das Hotel hätte eine Saunalandschaft im Angebot gehabt, und ich wäre ja ein Saunaliebhaber und hätte einen Saunapunkt mit nachhause bringen können, aber es war einfach schon zu spät. (Zur Erklärung: Saunapunkte wurden von einer Runde Freunde, wo auch Harald Huckey Renner dabei war, gesammtelt, dh. immer wenn von uns jemand in eine andere Sauna ging als in unserer Heimatstadt Linz, so konnten wir zuhause hinausposaunen, dass wir einen neuen Saunapunkt hätten. Aber wir führten nicht wirklich eine Liste darüber.) Am Zimmer schälte ich mich aus meinem Radgewand, duschte mich und machte mich spät abends noch auf die Suche nach einem kleinen Snack. Gleich neben dem Hotel gab es eine Bar wo das Europa League-Finale Atletico Madrid gegen Olympique Marseille übertragen wurde. Ich machte es mir gemütlich, bestellte ein großes Lasko um 2,30 und erkundigte mich, ob es denn noch eine Kleinigkeit zum Essen gäbe. Der Kellner meinte, dass er nur Eis hätte, und kurz darauf ergänzte, und Erdnüsse. Ich entschied mich für die Erdnüsse, schlürfte ein, zwei Bierchen und kämpfte mit kleinen auf- und abschwellenden Krämpfen in den Beinen. Die Nacht war anstrengend, da ich meinen ganzen Körper von den 235 Km zuvor spürte. Am Morgen beim Frühstück mischten sich Wellness-Gäste mit Geschäftsreisenden am Buffet. Da ich beruflich auch oft alleine unterwegs bin, konnte ich die leeren Blicke der allein frühstückenden Außendienstler nachvollziehen. Witzig, war ich doch mit dem Rad ebenfalls alleine unterwegs, aber ein Gefühl eines alleine reisenden Außendienstlers kam nicht in mir auf. Es war anders! Es war viel, viel besser! Um halb Neun, nachdem ich noch mit einem ungläubig dreinschauenden Rezeptionisten über meine Tour plauderte, schwang ich mich auf's Rad und rollte bei Sonnenschein raus aus der Stadt Novo Mesto Richtung Westen, um die Radrennbahn zu suchen. Schnell war das historische Zentrum hinter mir, durchfuhr ein kleines Gewerbegebiet und bald stand ich vor dem Velodrom Novo Mesto. Das Oval lag hinter einem kleinen Wald, relativ ruhig, eine Plattenbausiedlung stand in unmittelbarer Nachbarschaft. Die Straße von der Stadt zum Velodrom war neu asphaltiert. Die Stadt dürfte hier insgesamt mehr vorhaben. Wie schon im Blog-Post zuvor beschrieben, wurden gerade Arbeiten am Velodrom durchgeführt, besser gesagt wurde groß umgebaut. Ein Befahren der Bahn war nicht möglich.
Restaurierung und Umbau des Velodroms in Novo Mesto

Das Holz ist morsch.
Aus slowenischen Zeitungsartikeln und unter Zuhilfenahme von google-translate konnte ich nachlesen, dass sich die Stadt mit Slowenischem Radverband, Triathlon-, Leichtathletikverband und Olympischen Komitee zusammengeschlossen hat, um die offene 250-Meter Holzbahn zu restaurieren und generell zu überdachen. Dieser Verbund wendet dafür ungefähr 2,7 Millionen Euro auf. Nächstes Jahr sollte es fertig sein, wo ich es hoffentlich wieder schaffen werde, Novo Mesto zu besuchen. Eigentlich war hiermit meine Trainingsmission erfüllt und ich hätte mich direkt auf den Rückweg nach Linz machen können. Aber, vor ungefähr einem Jahr fand ich einen Artikel über den Umbau eines Gymnasiums in Kranj, in welchem die Rede von einem Velodrom war, und so wagte ich den Rückweg nach Linz über den Umweg nach Kranj. Mein Weg führte mich durch den Speckgürtel von Novo Mesto an einer Romasiedlung vorbei. Kinder und Frauen saßen zwischen Blechhütten am staubigen  Boden, Kabelstränge hantelten sich von Dach zu Dach, Männer hievten gebrauchte Möbelstücke aus Minitransportern. Der Geruch der Möbel vermischte sich mit dem von der Sonne aufgewärmten Wind. Nun ging es bergauf, bergab über die Landstraße durch kleine Dörfer. Immer wieder tauchte vor mir ein Hügel mit Kirchturmspitze auf, wobei dahinter genussvolle Abfahrten warteten. Vor einem Dorf am Wegesrand war eine Familie auf einem kleinen landwirtschaftlichen Betrieb damit beschäftigt, Hühner zu schlachten. So trieb es mich vorerst Richtung Ljubljana. Irgendwie wollte ich Ljubljana ausweichen, aber andererseits zog es mich wie magnetisch rein in die Stadt. Zuletzt war ich in den 1990ern dort, immer wieder in Sachen Kunst und Musik. Einmal als DJ für das Schwertberger Kunstlabel NurSchrec, später mit meiner Band Flavor Force Posse. Diesesmal, wenn schon
Ljubljana, war ich daran interessiert, wie es um den Verkehr dort steht? Oft konnte ich lesen, dass diese Stadt nun eine fahrradfreundliche sei. Ich fuhr direkt durch's Zentrum. Touristen, Radfahrer, Fußgänger, Autos, Mopeds alles in Massen. Es war ziemlich stressig und ich wollte ehest wieder raus, was mir nicht leicht fiel. Ein wenig fühlte ich mich wie in einem Labyrinth, da ich immer wieder durch plötzlich auftauchende Baustellen, oder unklare Radwegbeschilderungen meine Richtung ändern musste. Endlich gelangte ich zur Save, an welcher ich mich bis nach Kranj voranhanteln konnte.
Fahrradbrücke über die Save
In Kranj war es dann nicht allzu schwierig die Radrennbahn zu finden. Ein junger Radrennsportler des Fahrradklubs Kolesarski Klub Kranj überholte mich auf einer Brücke und ich folgte ihm bis zur Bahn. Dort angekommen scharten sich junge Radsportler, um auf ihre Trainer für eine gemeinsame Ausfahrt zu warten. Ich rollte auf die Bahn und drehte ein paar Runden mit vollem Gepäck. Die Kurven sind nicht sehr steil, eher moderat, was bei Bahnen aus Beton und um die 400 Meter meistens auch die Regel ist. Aber der Belag war gut im Schuss, kaum Unebenheiten, und so konnte ich sanft dahingleiten. In der Mitte der Bahn befindet sich ein Fussballplatz, was viele Bahnen im Freien oft eint, so auch die Bahn des Bayrischen Clubs in Niederpöring, welchen ich bereits im April besuchen konnte. Beim Klubhaus traf ich dann eine nette Frau, welche beim Klub für das Marketing angestellt ist. Sie verwies mich gleich an Bojan Ropret einen Jugendtrainer des Klubs. Er erzählte, dass der Kolesarski Klub Kranj der zweitstärkste Sloweniens sei und das sie um die 60 Jugendfahrerinnen betreuen. Er selbst fuhr in den 1980ern für Jugoslawien bei der Österreich Radrundfahrt mit und war sogar im gelben Trikot, konnte sie aber leider nie gewinnen. Leider musste er zu seinen Kids und das Training starten, wir hätten sicher noch länger plaudern können.
Die Bahn des Kolesarski Klub Kranj
Die Bahn ist frei zugänglich und befahrbar
Ich hatte erst 120 Km seit Novo Mesto hinter mir und umgerechntet noch 340 Km bis nach Linz vor mir. Wie sollte ich mir die restlichen beiden Tage einteilen, standen mir doch noch der Loiblpass, Hohentauern und der Phyrnpass bevor? Ich war hungrig und fuhr zuerst mal in das Zentrum von Kranj, welches wunderschön und immer einen Besuch wert ist. Am Rande der Altstadt fand ich eine Pizzaria, wo ich mich inmitten Südkoreanischer Touristen im Gastgarten an Nudeln und einem Bier labte. Es kam starker böiger Wind auf, die Wolken zogen zu und es began zu regnen. Ich wollte noch einige Kilometer Richtung österreichischer Grenze gut machen, aber Regen und Dunkelheit jagdten mich wieder nach Kranj zurück. Ich bezog die Layer's Art Residence, ein kleines Hotel in den schmalen Gassen der Altstadt. Hier wird Kunst und Gastfreundschaft leger miteinander verknüpft. Das Rad konnte ich in der Galerie des Hotels unterbringen und ich blickte aufgeregt Richtung Loiblpass, mit den Gedanken an die bevorstehende Strecke. Zum Abschluss dieses Blog-Beitrages nur noch ein Tipp!-) VSB

Am 8. August starte ich zu meiner 53-tägigen Tour zu 20 Velodromen in Europa, wer mich unterstützen möchte, kann das hier tun: https://paypal.me/pools/c/811OU4EyXz
Der Tourenrenner in der Galerie



Blick aus dem Hotelzimmer Richtung Loiblpass